Wenn man am wenigstens damit rechnet … eigentlich (und dieses Wort am Anfang eines Satzes lässt ja schon darauf schließen, dass etwas eben nicht so ist, wie man es denken würde) stand dieser Tag unter keinem so guten Stern. Wir hatten uns noch ganz kurzfristig am Montag vor dem Turnier angemeldet und waren sehr froh, dass wir trotz der Kurzfristigkeit noch teilnehmen konnten. Doch schon am Mittwoch bekam ich Halsschmerzen und über Nacht auch noch etwas erhöhte Temperatur. Da ich weiß, wie ich mich normalerweise bei einer Erkältung während der ersten Tage fühle, sah ich uns schon wieder absagen. Doch die erwarteten Gliederschmerzen und das Fieber blieben weitgehend aus, so dass wir doch hinfahren konnten.
Auf dem Platz herrschten ideale Bedingungen - so gut wie kein Wind, nicht zu warm und nicht zu kalt. Und entgegen meiner sonstigen Angewohnheit bei Turnieren immer viel zu aufgeregt zu sein, war ich dieses mal sehr entspannt, da ich aufgerund meiner gesundheitlichen Umstände ohne jeden Erwartungsdruck an den Start gegangen bin. Ich war mir wirklich sicher an diesem Tag keinen Blumentopf gewinnen zu können - und einen Blumentopf habe ich auch tatsächlich nicht gewonnen
Zugegeben, bei den ersten zwei Passen auf 90 Meter war ich schon noch etwas nervös, aber nach der ersten “2″ war mir klar, dass heute nicht viel zu holen war und mein nächstes Ziel wäre ja der elfhunderter-Stern - abgehakt. Es ging von meinem Gefühl her eher durchwachsen weiter und ich habe auch erst gar nicht angefangen die Durchgänge zusammen zu zählen. Ich wollte gar nicht wissen, wie viele Ringe ich von meinem Ziel entfernt war.
So schoss ich Durchgang für Durchgang und war dabei so entspannt, wie schon lange nicht mehr. Die Ergebnisse waren zwar nicht berauschend - ich hatte schon deutlich bessere Ergebnisse im Training erzielt - aber es war auch nicht dramatisch schlecht. Ich wollte im Grunde nur wissen, ob ich eine große FITA (144 Pfeile) überhaupt durchstehen würde.
Die 70 und 50 Meter hatte ich mit für mich durchschnittlichen Resultaten hinter mich gebracht, die 30 Meter liefen dann aber wieder erstaunlich gut. Ich war überrascht, wie gut ich das ganze kraftmäßig überstanden hatte, nur die Beine taten mir weh - kein Wunder nach 8 Stunden “Rumstehen”
Ich hatte bewusst vermieden, mir die ausgehängten Zwischenstände anzusehen, denn wenn ich auch nur vermutet hätte, dass ich noch mit einem guten Ergebnis auf 30 Meter doch noch in die Nähe eines elfhunderter-Sterns hätte kommen könnte, wäre es mit meiner Gelassenheit schlagartig aus gewesen. Doch so konnte ich entspannt weiter schießen und mich über die immer besser werdenden Ergebnisse von Passe zu Passe freuen.
Und jetzt kommt‘s - als ich alle Ergebnisse der vier Durchgänge zusammen gezählt hatte, kam ich auf 1116 Ringe - das konnte ja gar nicht sein. Also noch mal mit Taschenrechner, aber es blieb dabei - 1116 Ringe. Das bedeutete, ich hatte es tatsächlich geschafft - ich hatte mehr als 1100 Ringe geschossen! Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet …